Vorträge – Friedrich der Große

soussouciVon Dr. Waldis Greiselis

In 2012 wurde mit Veröffentlichungen, in Ausstellungen und mit Beiträgen in den Medien des 300. Geburtstages des preußischen Königs Friedrich II., des Großen genannt, gedacht. Auch der Heimatverein möchte an diese außergewöhnliche Persönlichkeit erinnern. Der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins und einheimische Historiker Dr. Waldis Greiselis zeichnete in einem interessanten Vortrag im Oktober 2012 anlässlich des 300. Geburtstages des preußischen Königs Friedrich des Großen ein facettenreiches Bild jenes preußischen Herrschers von seiner Jugend bis zu seinem Tod 1786: Staatsmann und Feldherr, Philosoph und Schriftsteller, Komponist und Freimaurer – das alles war Friedrich. Das gesprochene Wort wurde im Vortrag durch Bild- und Musikbeiträge ergänzt.

Friedrich der GroßeErgänzend zur Vita und Persönlichkeit Friedrich des Großen im Folgenden ein Beitrag mit dem Titel Legende Preußen. Kaum ein anderes europäisches Staatswesen hat Zeitgenossen und Nachgeborene so fasziniert und erschreckt, so angezogen und abgestoßen wie Preußen. Das Kurfürstentum und spätere Königreich steht für ein Nebeneinander der Gegensätze; für Militarismus und Toleranzedikt, für spartanische Sparsamkeit und verspielte Schlösser, für Reformen, Realpolitik und Größenwahn. Sein Führungspersonal – vom Soldatenkönig über Friedrich den Großen bis zum letzten deutschen Kaiser – wurde gefürchtet, idolisiert, verspottet und verdammt. Preußen galt als Keimzelle des deutschen Nationalismus, aber auch als Anlaufpunkt für Verfolgte aus allen Winkeln Europas. Der Beitrag zeichnet in Interviews und unter Verwendung seltenen Archivmaterials die spannendsten Episoden der preußischen Geschichte nach und untersucht die Nachwirkung der preußischen Tugenden und Untugenden bis in die Gegenwart.

(Quelle: Mit freundlicher Genehmigung durch Spiegel TV Hamburg)

Zur Vita Friedrichs des Großen – Friedrich wird am 24.01.1712 in Berlin als Sohn des Kronprinzen Friedrich Wilhelms I., des späteren Soldatenkönigs, und dessen Gemahlin Sophie Dorothea geboren. Der Vater fordert für Friedrich eine strenge militärische und religiös geprägte Erziehung, die kaum Freiraum für dessen schöngeistigen Neigungen lässt. Sein Erzieher, der Hugenotte J.E. Duhan de Jandun, setzt sich darüber hinweg, und unterrichtet den Kronprinzen auch in Latein, Französisch, Literatur. Als der König davon erfährt, wird Duhan verhaftet, Friedrichs Bibliothek eingezogen. 1728 beginnt Friedrich heimlich mit dem Flötenunterricht bei J.J. Quantz. Die Konflikte zwischen dem tyrannischen, nur aufs Militärische und aufs Ökonomische fixierten Vater und dem Kronprinzen spitzen sich immer mehr zu. Brutale körperliche und seelische Züchtigungen sind an der Tagesordnung und veranlassen den Kronprinzen 1730 zu einem Fluchtversuch, der vereitelt wird. Das vom König eingesetzte Militärgericht verweigert ein Todesurteil für den Kronprinzen. Um ein Exempel zu statuieren, wird dessen Freund und Helfer Hans Hermann von Katte vor den Augen Friedrichs in Küstrin hingerichtet. Der Kronprinz, zunächst arretiert, wird ab 1731 in Küstrin in das Verwaltungswesen eingeführt, erhält dann 1732 als Oberst ein Infanterieregiment in Neuruppin. Am 12.06.1733 findet auf Befehl des Vaters die Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern statt. 1736 zieht das Paar ins Schloss Rheinsberg, ein Geschenk des Vaters. Hier im Schloss, das von Knobelsdorff um- und ausgebaut wird, verlebt Friedrich in geistvoller, kunstliebender Gesellschaft seine unbeschwertesten Jahre. Sein Interesse an seiner Gattin ist minimal, seine Zuneigung gehört eher dem männlichen Geschlecht, ohne das jemals geklärt wurde, ob Friedrich homosexuelle Beziehungen unterhielt.

1738 komponiert Friedrich seine erste Sinfonie, der Komponist C.H. Graun ist seit 1735 in seinen Diensten. 1739 schreibt Friedrich, der bereits mit Voltaire korrespondiert, den „Antimachiavell“, einen Tugendkatalog des aufgeklärten Idealmonarchen, den er wenig später selbst ad absurdum führt. Am 31.05.1740 wird Friedrich II. nach dem Tod seines Vaters preußischer König. Er erfüllt zunächst die Erwartungen an einen aufgeklärten Monarchen mit zahlreichen populären Reformen und Aktivitäten. Er ordnet die Abschaffung der Folter und des Ertränkens von Kindesmörderinnen an, verfügt, dass staatliches Getreide zu geringen Preisen an die Bevölkerung verkauft wird, hebt die Zensur auf, gründet eine deutsche und eine französische Zeitung, veranlasst, dass Geistesgrößen in die Residenz geholt und Akademien wieder arbeitsfähig werden, lässt den Bau eines Opernhauses vorbereiten. Seine Gemahlin Elisabeth Christine verbannt er ins Schönhausener Schloss im Norden Berlins. Eheliche Beziehungen finden nicht statt – die Ehe bleibt kinderlos.

Im Oktober 1740 tritt mit dem Tod von Kaiser Karl VI. eine Wende ein, die sowohl Friedrichs Leben als auch die Existenz Preußens entscheidend beeinflussen wird. Friedrich, der die Thronfolge der Kaisertochter Maria Theresia nicht anerkennt, beginnt am 16. Dezember den 1. Schlesischen Krieg und annektiert die österreichische Provinz Schlesien. Am 11.06.1742 wird im Berliner Frieden Preußen der größte Teil Schlesiens und die Grafschaft Glatz zugesprochen. Noch im Winter 1742 findet die Einweihung der königlichen Oper in Berlin statt. Am 7.Juni 1744 besetzt Friedrichs Armee Ostfriesland, im August beginnt er den 2. Schlesischen Krieg, der am 24.12.1745 durch den Frieden zu Dresden, der den schlesischen Besitz erneut bestätigt, beendet wird. Bei der Rückkehr nach Berlin wird Friedrich erstmals als „Der Große“ bezeichnet. 1746 veranlasst Friedrich II. den Beginn einer Justizreform. Am 1. Mai 1747 wird Schloss Sanssouci – nach Plänen des Königs von Knobelsdorff erbaut – eingeweiht.

1747 beginnt der Trockenlegung des Oderbruchs die 1753 abgeschlossen wird. Bis 1786 finden über 300.000 Kolonisten im Königreich in ähnlich kultivierten Gebieten eine neue Heimat. 1748 erfolgt das Verbot des Bauernlegens, das nur zögerlich umgesetzt wird. Von 1750 bis 1753 hält sich Voltaire in Sanssouci auf. Friedrich und er trennen sich im Streit. Am 29.08.1756 beginnt Friedrich II. den 3. Schlesischen Krieg, auch der Siebenjährige genannt. Preußen steht der übermächtigen Phalanx der drei Großmächte Österreich, Russland und Frankreich gegenüber. Das Ende seiner Existenz scheint unausweichlich, als „das Mirakel des Hauses Brandenburg“, der Tod der Zarin Elisabeth, Preußen rettet. Ihr Nachfolger Peter III., ein Verehrer Friedrichs, schließt einen Waffenstillstand, der Friede von Hubertusburg am 15.02.1763 bestätigt endgültig den schlesischen Besitz. Friedrich, in den Kriegen frühzeitig gealtert, erhält im Volk den Beinamen, der „Alte Fritz“.

1766 gründet der König mit französischen Spezialisten eine neue Steuerbehörde, die „Regie“. Sie soll mit einem ausgeklügeltem System und einer für die einfachen Leute unerträglichen Besteuerung vieler Waren und Genussmittel des täglichen Bedarfs dafür sorgen, dass die vom Krieg ausgeplünderten Kassen wieder aufgefüllt werden. 1769 wird der Bau des Neuen Palais in Potsdam, der einzige Repräsentativbau unter Friedrich II., beendet. 1770 bestätigt der König Immanuel Kant, den er ansonsten ignoriert, als Professor in Königsberg. 1772 erhält Preußen bei der ersten polnischen Teilung Westpreußen und andere Gebiete. Friedrich darf sich nun “ König von Preußen“ nennen. 1778 marschieren preußisch-sächsische Truppen zur Unterstützung bayerischer Ansprüche in Böhmen ein. Der Feldzug bleibt ergebnislos. Die letzten Jahre des Königs sind geprägt durch schriftstellerisch-historisch-philosophische Arbeiten, aber auch durch von Altersmüdigkeit geprägter Lyrik. Die Reform des allgemeinen Landrechts bleibt 1784 im Entwurfsstadium stecken. Der kinderlose König bestimmt seinen Neffen, Friedrich Wilhelm, von dem er allerdings nicht viel hält, zum Nachfolger.

Am 17.08.1786 stirbt Friedrich II. in Sanssouci. Er wird, anders als von ihm angeordnet, in der Potsdamer Garnisonkirche beigesetzt. Erst 1991 wird der Sarg nach mancherlei Irrfahrten auf der Terrasse in Sanssouci neben den Jagdhunden des Königs beigesetzt. Friedrich II. hinterlässt eine Armee von 150.000 Mann, eine gut funktionierende Verwaltung und einen trotz der Kriegsverluste beträchtlichen Staatsschatz.

(Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des Rundfunks Berlin-Brandenburg)