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Das Zusammenspiel von engagierter Gemeindeverwaltung, Heimatverein, Bauforschern und Denkmalpflege ermöglichte, ein in Nordbaden einzigartiges Denkmal spätmittelalterlicher Wohnkultur auf dem Lande zu erhalten: das Firstständerhaus in Zeutern.

Der nachfolgende Film zeigt die Einweihungsfeier des Firstständerhauses anlässlich der Fertigstellung aller Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am 22. Juli 2007. Das Firstständerhaus stammt aus dem Jahre 1458. Es wurde im Jahre 2003 durch die Gemeinde Ubstadt-Weiher erworben und in einer vierjährigen Sanierungsphase unter aktiver Mitwirkung von Mitgliedern des Heimatvereins restauriert. Der Film vermittelt dem Besucher einen Überblick über das Firstständerhaus Zeutern – ein historisches Bauwerk im Wandel der Zeit.

 


 

Rede von Herrn Bürgermeister Helmut Kritzer, 22. Juli 2007, 11.30 Uhr

Gottfried Keller sagte: „Lasst uns am Alten, so es gut ist halten, doch auf altem Grund Neues schaffen zu jeder Stund.“

Das haben wir gemacht. Wir haben das älteste Haus in unserer Gemeinde saniert. Wir haben es vor dem Verfall gerettet. Erich Kästner sagte: „Es gibt viele Werte, die man nicht zählen kann.“ Ein solcher Wert ist dieses Haus.

Das Werk ist gelungen. Wir haben uns ein Geschenk gemacht. Wir mussten aber auch sehr viel Kraft und Geld investieren.

Sehr geehrte Frau Dr. Fahrbach-Dreher, bei einer Besichtigung dieses Hauses am 13. Januar 2001 sagten Sie zu unserem Gemeinderat:

„Stellt euch einmal vor, wir schreiben jetzt das Jahr 1458. Von Amerika weiß man noch nichts (1492). Wir wissen noch nichts von Martin Luther (1483). Es gibt noch kein Karlsruhe (1715), kein Mannheim (1607) und auch der Petersdom in Rom ist noch nicht gebaut (1506/1626). Aber, hier bei uns in Zeutern gibt es dieses Haus mit einer ganz besonderen Bauweise, nämlich der Firstständerbauweise.“

Ich sagte damals: „Dieses Haus ist ein Stück Heimat. Heimat erfordert täglich neue Ideen und Einsatz mit Herz, Hand und Verstand, deshalb müssen wir handeln, das ist Verpflichtung.“

Trotzdem: Die Skepsis im Rat war groß und deutlich spürbar. Wir durchlebten auch eine besondere Zeit, eine Zeit, in der es große finanzielle Einbrüche gab. Sparen war angesagt. Auch die Nutzung des Hauses war völlig unklar.

Spätestens bei diesem Ortstermin wurde mir klar, dass das Haus nur noch zu retten ist, wenn wir Außergewöhnliches leisten. Ich sagte: „Wenn wir 70% Zuschüsse erhalten, dann kommt das Thema auf die Tagesordnung, ansonsten nicht.“ Das war nicht frivol (leichtfertig), nein, das meinte ich ernsthaft.

Zwei Jahre später war es dann soweit. Am 27. Mai 2003 kam es zur Abstimmung. Die Aufwendungen waren mit rund einer Million Euro kalkuliert. Zuschusszusagen lagen vor für 672.100 €. Diese Signale von den Geldgebern waren ganz außergewöhnlich, einmalig, großartig. Aber sie reichten nicht aus, die 70%-Marke wurde knapp verfehlt. Sie kennen die Entscheidung: 14 Nein-Stimmen, 10 Ja-Stimmen, eine Enthaltung.

Dann kamen der Heimatverein und der Freundeskreis. Sie boten 50.000 € und 1.500 Arbeitsstunden. Am 1. Juli 2003 wurde nochmals beraten und abgestimmt. Bei 15 Ja-Stimmen, 10 Nein-Stimmen und einer Stimmenthaltung wurde das Werk auf den Weg gebracht. Heimatverein und Freundeskreis wurden zum Retter.

Heute – vier Jahre später – feiern wir die offizielle Fertigstellung. Das haben wir gut gemacht. Der Zeitplan ist ordentlich. Eine Diskussion, die eigentlich schon in den 90er Jahren begann – seinerzeit hat das Architektenehepaar Robert und Barbara Crowell dieses Haus entdeckt -, ist jetzt abgeschlossen. Ende gut, alles gut.

Die Gesamtkosten für das Haus und das Umfeld betragen 1.089.900 €. Zuschüsse gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Landesdenkmalamt, die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, das Land Baden-Württemberg mit seinem Sanierungsprogramm und mit seinem kommunalen Investitionsfonds. Der Heimatverein hat 55.000 € dazugelegt und er hat 3.000 Arbeitsstunden geleistet. Das Ergebnis: Der Eigenanteil der Gemeinde beträgt 30%. Das Ziel wurde erreicht, weil viele guten Willens waren.

Ich darf allen sehr herzlich danken, vor allem den Geldgebern, aber auch anderen. Viele sind heute gekommen. Ich darf sie herzlich begrüßen.

Ich begrüße und danke auch den Eigentümern. Das Angebot war fair. Auch der Sparkasse Kraichgau will ich sehr herzlich danken. Sie war sehr kooperativ. Der Nachbarschaft danke ich für die Geduld. Ich darf sie ebenfalls herzlich begrüßen.

Von den Geldgebern begrüße ich ganz besonders Frau Dr. Ute Fahrbach-Dreher. Ich danke Ihnen sehr für Ihren besonderen Einsatz für dieses Haus.

Ganz besonders darf ich unserem Heimatverein und dem Freundeskreis danken. Ich darf alle, die hier sind, begrüßen. Namentlich will ich den Chef, Herrn Dr. Waldis Greiselis, begrüßen. Ferner den Projektmanager, Herrn Roland Pfenninger.

Ich danke auch unserem Gemeinderat. Viele sind da, herzlich willkommen. Der Rat hat es nicht leicht gehabt. Er muss ja bei allen Entscheidungen auch immer das Gesamte im Blickfeld behalten. Aber ich denke, die Entscheidung war richtig. Dieses Haus gehört zu unserer Heimat und es ist ein besonderes Kulturdenkmal.

Ich danke allen Sponsoren und allen, die bei Veranstaltungen und sonstigen Sonderaktionen auf ihre Gage verzichtet haben. Einige sind unter uns. Ich begrüße sehr herzlich Herrn Lothar Gärtner, Herrn Hermann Dischinger, Herrn Eduard Sluk, Herrn Peter Laue, Herrn Thomas Liebscher, das Ehepaar Sischka und Herrn Dr. Merkle.

Ein besonderer Dank gebührt unserem Architektenehepaar Crowell. Sie haben Meisterliches geleistet, jetzt schon zum zweiten Mal hier bei uns. Für mich ist es ein Wunder, dass bei dieser sensiblen Baustelle der Kostenrahmen eingehalten werden konnte. Danke.

Ich danke dem Statiker, Herrn Dipl.Ing. Wolfgang Kley, der auf sein ganzes Honorar verzichtet hat. Herzlich willkommen. Ich danke auch Herrn Günther Bauer, der einen Großteil seines Honorars für die Haustechnik gespendet hat. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Herrn Franz Fischer, der uns das Baugerüst zur Verfügung stellte.

Ich danke meinen Mitarbeitern und heiße herzlich willkommen:
Tony Löffler, Thomas Schäfer, Ralf Bös.

Besonders danken will ich auch den Handwerkern. Sie haben Hervorragendes geleistet und sie waren preiswert. Herzlich willkommen.
Letztlich begrüße ich alle, die heute mitmachen. Ich begrüße die Musikgruppe La Volta, ich begrüße die Herren Pfarrer Daniel Kunz und Gerald Koch. Ich begrüße die Böllerschützen, die Winzergenossenschaft, die Sängervereinigung Zeutern. Ich begrüße die historische Fischergruppe aus Oberacker und die Familie Sachenmacher aus Bretten (Kinderprogramm). Nicht zuletzt begrüße ich die Presse.

Wollen wir hoffen, dass das Haus ein Haus der Begegnung wird, ein offenes Haus und dass auch die Fachwelt auf dieses Museum aufmerksam wird, damit dieses stattliche Gebäude auch weithin im Lande bekannt wird.

Und jetzt und dies ganz besonders begrüße ich sehr herzlich die Bürgerschaft, die Vertreter der Vereine, der Schulen, der Kirchen, des Kulturkreises und anderer Institutionen, ferner alle Gäste.

Leben hauchen einem Gebäude erst die Menschen ein, die darin leben, die darin Gemeinschaft bilden. So wie das aussieht, entwickelt sich da einiges.

Der Heimatverein bezieht einen Raum und er bestellt auch das Haus, und das wird er gut machen, da bin ich sicher. Und wenn ein Haus richtig bestellt ist, wird man auch immer friedlich darin wohnen. Danke.

Darin wohnen wird die VHS. Es werden Trauungen abgehalten, Privatveranstaltungen sind möglich. Erich Dreher wird bei seinen Führungen dieses Haus einbinden und es wird sich sicherlich noch einiges entwickeln bis hinaus auf den Platz, wo auch schöne Dorffeste möglich sein werden.

Ich danke Ihnen, dass Sie zugehört haben. Bevor wir jetzt weiterfahren im Programm möchte ich noch einige Geschenke loswerden.

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