Chronogramme

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Von Günter Meier

Ein Chronogramm (oder Eteostichon) ist ein Satzteil, ein Satz, ein Sinnspruch oder eine Inschrift, meist in lateinischer Sprache, bei der alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), addiert die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text des Chronogramms bezieht. Außerdem kann auch Y als Zahlzeichen mit der Wertung I + I = 2 vorkommen. In deutschen Texten kann W = V + V = 10 gezählt werden. Es werden alle Zahlenwertbuchstaben entgegen der sonst üblichen Zählmethode einzeln erfasst, eine Subtraktion des kleineren vom größeren Zahlenwert erfolgt nicht. Die Zahlensymbole werden meist hervorgehoben, etwa durch Erhöhung oder Verdickung der Buchstaben bzw. durch farbliche Abhebung mittels Rötung oder Vergoldung (1).

Chronogramm in UbstadtDieses besonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beliebte Zahlenspiel finden wir auch in Ubstadt-Weiher. Sicherlich ist manchem Kirchgänger schon in der lateinischen Inschrift über dem Altarbild der katholischen Pfarrkirche in Ubstadt aufgefallen, dass dort verschiedene Buchstaben groß geschrieben worden sind. Es handelt sich hierbei um die lateinischen Zahlen D, L, M, I, I,V, I, I, C, V, I, C und I (in der im Text vorkommenden Reihenfolge). Die Addition dieser Zahlen ergibt die Summe 1766, das Jahr, in dem der Hochaltar fertiggestellt worden ist (2). Die Fotografie rechts zeigt das Chronogramm über dem Altarbild der Andreaskirche in Ubstadt.

Im Ortsteil Zeutern finden wir gleich zwei Chronogramme. An der Außenwand der alten Martinskirche (Südseite) finden wir einen Grabstein zweier Geistlicher, die die Wirren der französischen Revolution nach Zeutern verschlagen hatte und die am 31. Januar beziehungsweise 1. Februar 1794, also innerhalb von zwei Tagen, in Zeutern verstarben. Das Sterbejahr 1794 ergibt auch die Addition der Zahlenbuchstaben (3). Leider ist durch Verwitterung das auf dem Grabstein abgebildete Doppelbalkenkreuz („Lothringer Kreuz“) verschwunden.

Und schließlich findet sich diese barocke Zahlenspielerei auf „dem Kreuz“, dem Mittelpunkt des Ortsteils Zeutern: en saLVator aDest praebens tIbI peCtVs apertVM/ Intra IbI sVspIrans saLVVs et IVstVs IbIs (Sieh da, der Erlöser! Er bietet dir sein im Innersten geöffnetes Herz dar. Wenn du da aufseufzest, wirst du geheilter und gerecht weitergehen), (4). Das Kreuz wurde 1749 errichtet.

Sollte Ihnen, lieber Leser, in Ubstadt-Weiher ein weiteres Chronogramm bekannt sein, so wäre Ihnen der Heimatverein für einen Hinweis sehr dankbar.

 

Quellen:

Beitrag unseres Mitglieds Günter Meier

(1)

http://www.wikipedia.org/wiki/Chronogramm

(2)

Schulz, Gustav, Geschichte der Gemeinde Ubstadt nach den Unterlagen von Eduard Deutsch, bearbeitet und ergänzt von Gustav Schulz, Ubstadt-Weiher, 1979, S. 124 ff.

(3)

Hollerbach, Eugen, Zeutern in seiner 1200 jährigen Geschichte, 1970, S. 160

(4)

Landkreis Karlsruhe, Kleindenkmale im Landkreis Karlsruhe, 1989, S. 71