Die Veränderungen der dörflichen Struktur mit Fotos aus unseren Ortsteilen zu zeigen, ist das Ziel der neuen Reihe. Fotos sind einerseits gute Zeugen der Vergangenheit, andererseits sind sie Zeugen der Gegenwart, um sie für die Zukunft zu erhalten. Wir zeigen jeweils eine historische Aufnahme und stellen dieser ein aktuelles Foto gegenüber. Sie sind herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen, um mit Vorschlägen oder alten Fotos mitzumachen. Ihre Fotos bereichern nicht nur unser Archiv, sie sind auch ein Schatz für unsere nachkommenden Generationen. Diese Seite wird laufend aktualisiert und neue Fotos an oberster Stelle hinzugefügt.

 

 Von Beate Harder | Februar 2021 
Zuletzt aktualisiert August 2023

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Stettfeld: Tabakfabrik – Volksbank

Fotos: Konrad Kröll

Große und offensichtliche bauliche Veränderungen gab es in den ungefähr 100 Jahren, die zwischen unseren beiden Fotos liegen, an dem schönen Gebäude in der Schönbornstraße 53 nicht. Auch der Nutzen des Anwesens liegt nach wie vor im kommerziellen Bereich. Die Zigarrenfabrik im ehemaligen Gasthaus „Kaiser Friedrich“ (bis 1921), die sich bis 1936 im Besitz der Firma Hermann Würzburger und Co., Mannheim, und bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1962 im Eigentum der Firma Gebr. Schäfer, Heidenheim, befand, bot schon immer Menschen Lohn und Arbeit. Gegen die Eröffnung von Zigarrenfabriken gab es Ende des 19. Jahrhunderts in Stettfeld zunächst großen Widerstand im Gemeinderat. Man fragte sich, ob es schicklich sei, dass in einem so traditionell orientierten und katholischen Dorf junge Frauen und Mädchen in einer Fabrik arbeiten sollten. Drastisch zeigte man am Beispiel mehrerer junger Mädchen aus Stettfeld, die als Dienstmägde nach auswärts in fremden Dienst gegangen waren und schwanger und entehrt zurückkamen, was die Folgen einer solchen „neumodischen“ Entwicklung sei. In den örtlichen Zigarrenfabriken waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits nahezu 100 Personen, davon überwiegend Frauen, beschäftigt. Bei einem Durchschnittsverdienst in den 1920er Jahren zwischen 10 und 12 Mark in der Woche konnte die Familie nur auskommen, weil in jeder Familie noch Landwirtschaft betrieben wurde. Von 1962 bis 1969 produzierte die Firma Bleyle hochwertige Strickwaren in dem Gebäude und in den 70er und 80er Jahren war die Firma Haku (Handwerkskunst) dort untergebracht. Seit den frühen 1990er Jahren ist in dem Gebäude die Raiffeisenbank bzw. nach der Fusionierung die Volksbank untergebracht.

Weiher – Altes Rathaus

Fotos: Hermann Wippel 1974, HV 2023

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte Weiher die größte bauliche Veränderung. Die komplette Bebauung im Dreieck Hauptstraße (heute Kirchplatz) und Brunnenstraße wurde entfernt, die Hauptstraße nach Westen verlegt und damit Raum für den Kirchplatz geschaffen. Für den dringend notwendigen Neubau der Mehrzweckhalle musste das „Alte Rathaus“ aus dem Jahre 1840, mittlerweile leerstehend, weichen. Das ehemalige Rathaustürmchen auf dem Parkplatz vor der Mehrzweckhalle erinnert daran und wird gerade auf Anregung des Heimatvereins saniert.

Gasthaus zum Ritter, Unterdorfstraße in Zeutern

Fotos: Wilhelm Kratt (ca. 1900), HV (2021)

Etwas mehr als 120 Jahre liegen zwischen unseren beiden heutigen Fotos. Dem jungen Fotografen Wilhelm Kratt (1869 – 1949), der im frühen 20. Jahrhundert im Kraichgau und dem Bruhrain seine Motive suchte, verdanken wir das historische Foto des Gasthauses „Zum Ritter“ aus dem Jahre 1900. Die Ortschronik von Zeutern erwähnt für das Gasthaus „Zum Ritter“, dass dieses bis ins Jahr 1969 ein besonderes, aus dem Jahr 1760 stammendes Wirtshausschild aus „Rocailleschmuck“ besaß. Aus den Unterlagen des Generallandesarchivs geht hervor, dass die Gastwirtschaft mindestens seit 1760 bestand. Leider haben wir keine Kenntnisse über die anfänglichen Besitzer. Historisch belegt ist, dass die Familie Reiser, beginnend mit Hugo Reiser (1865 – 1937) und seinem Sohn Edwin Reiser (1903 – 1956), die Gastwirtschaft mit viel Herzblut betrieb. Von Hugo Reiser wissen wir, dass er neben dem Gastwirt „Zum Ritter“ als Bäcker auch der Betreiber des Gemeindebackofens in Zeutern war. Sein Sohn Edwin war ein innovativer und umtriebiger Gastwirt, der bereits 1939 das Gebäude auf zwei Vollstockwerke erhöhen wollte, das Material dafür war bereits eingekauft. Leider kam der 2. Weltkrieg mit seiner zerstörerischen Kraft über das Kraichgaudorf, sodass der Umbau zurückgestellt werden musste. Nach Ende des Krieges bat der Bürgermeister Edwin Reiser darum, mit den vorhandenen Baumaterialien Kriegsschäden an verschiedenen Gebäuden im Dorf ausbessern zu dürfen, was dieser gerne zuließ. 1947 konnte endlich das auf dem historischen Foto abgebildete Gebäude komplett abgebrochen und ein neues Gasthaus errichtet werden. Lediglich der historische Keller blieb erhalten. Zusätzlich wurde Platz für vier Fremdenzimmer geschaffen. Die beiden Einzel- und Doppelzimmer waren bereits mit fließend Kalt- und Warmwasser ausgestattet und damit der Zeit weit voraus. Toiletten gab es allerdings noch keine, da wurde auf den „Botschamber“ im Nachttisch verwiesen. Das Einzelzimmer kostete die stolze Summe von DM 2,50, für das Doppelzimmer mussten immerhin DM 4,50 beglichen werden. Ebenso stattete der findige Gasthaus-Besitzer das Gebäude mit einer Kokszentralheizung aus, zu dieser Zeit eine innovative Neuerung und luxuriöse Einrichtung. Julius Reiser übernahm die Gastwirtschaft 1960 und führte sie zusammen mit seiner Frau Rosel geb. Reiser (1932) und später der Tochter Rosemarie bis zu seinem Tod im Jahr 2011. Die endgültige Schließung des Lokals erfolgte am 31.12.2012. Quellen: Aus den Erinnerungen von Oskar Reiser, Zeutern Eugen Hollerbach „1200 Jahre Zeutern“

Brechtsches Haus und Josefshaus in Ubstadt

Fotos: HV (ca. 1920), HV (2021)

Über hundert Jahre liegen zwischen unseren beiden Fotos derselben Straßenansicht in Ubstadt. Das ehemalige Gasthaus „Zur Goldenen Krone“, ist einer der ältesten Ubstadter Gasthöfe, 1685 erstmals erwähnt. Das heute noch so vorhandene Fachwerkgebäude wurde von Heinrich Klein 1688 errichtet, der zugleich von 1683-1704 Schultheiß des Ortes war. Zwei Wappenschilde mit stabhaltendem Arm verweisen auf den Erbauer, die Kronen auf den beiden Säulen auf den Gasthof. Die ehemalige „Krone“ ist seit mehr als hundert Jahre im Besitz der Familie Brecht (Brechtsches Haus) und wurde von ihr 1991 restauriert. Nach dem Tod des Erbauers Heinrich Klein um 1704 errichtete seine Tochter mit ihrem Ehemann daneben ein neues Wirtshaus, das 1890 von der Kirche aufgekauft wurde und als Waisenhaus, Altersheim, Wohnhaus genutzt wurde. Heute ist es Teil des Seniorenzentrums „Josefshaus“. Ein wunderbares Beispiel wie historische Gebäude instandgehalten werden können und damit den historischen dörflichen Charakter der Gemeinde präsentieren. Quelle: Heimatverein Historischer Rundgang

Ecke Schönbornstraße – Marcellusplatz in Stettfeld

Fotos: Konrad Kröll (ca. 1920), HV (2021)

Das historische Foto des Gasthauses „Zur Krone“ ist aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und damit gut 100 Jahre alt. Der erste Wirt des Dorfes lässt sich – nach den Unterlagen von Eduard Deutsch – bereits 1480 nachweisen und ebenso kann die Geschichte des Gasthauses „Krone“ oder auch „Goldene Krone“ bis weit vor 1700 zurückverfolgt werden. Im 18. Jahrhundert existierten in Stettfeld bereits drei Gastwirtschaften. Das entsprach, für einen Ort dieser Größe, durchaus dem regionalen Durchschnitt. Durch die verkehrsgünstige Lage Stettfelds an der viel befahrenen Landstraße von Basel nach Frankfurt, der heutigen B 3, durften die Wirte des Dorfes immer auf Einnahmen durch Reisende, nicht zuletzt auch durch Kaufleute auf dem Weg zu ihren Geschäftspartnern, rechnen. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Heidelberg nach Karlsruhe 1841 und natürlich mit dem Bau der Autobahn A 8 in den 1930er Jahren ging der Durchgangsverkehr spürbar zurück und viele Gaststätten kämpften ums Überleben und mussten aufgeben. Die „Krone“ musste Ende der 1960er Jahre der Neugestaltung und Begradigung der Ortsdurchfahrt weichen. Quelle: „Stettfeld 2000 Jahre Geschichte“

Umgestaltung Hauptstraße in Weiher

Fotos: Karl Simon (1981), HV (2021)

Unsere heutigen Fotos zeigen die Hauptstraße in Weiher aus nördlicher Richtung kommend in den 70er Jahren und die heutige Ansicht. In dieser Zeit erlebte der Weiher Ortskern die größte bauliche Veränderung. Die komplette Bebauung im Dreieck Hauptstraße (heute Kirchplatz) und Brunnenstraße wurde entfernt. Die Anwesen in der Hauptstraße, Ecke Hirschstraße, das ehemalige Gasthaus“ Zum Löwen“, die frühere Bäckerei Herzog und das Gebäude „Frisör Eiser“ wurden ab 1981 abgerissen und schufen Platz für die Verlegung der Hauptstraße.

Unterdorfstraße in Zeutern

Fotos: Generallandesarchiv (ca. 1950), HV (2021)

Die Zeuterner Unterdorfstraße, bis zum Zusammenschluß der vier Ortsteile zu Ubstadt-Weiher, die Hauptstraße, ist die Hauptverkehrsachse von Stettfeld in das Katzbachtal und schon immer stark befahren. Unser historisches Foto aus den 50er Jahren zeigt die Straße noch ohne Kanalisation. Den steigenden Einwohnerzahlen von ca. 1900 in den 50er Jahren auf knapp 3000 Einwohnern im Jahr 2021, trug man mit Neubaugebieten Rechnung. Eines davon der Kallenberg, im Hintergrund auf dem aktuellen Foto.

Obere Straße in Ubstadt

Fotos: Karl Serden (ca. 1930), HV (2020)

Neunzig Jahre und einige Großbaustellen liegen zwischen unseren heutigen beiden Fotos. Sie zeigen in Ubstadt den Anfang der Oberen Straße in den 1930er Jahren. An der Stelle des Bauernhauses vorne links steht heute die Storchen Apotheke. Das große Haus in der Bildmitte wich dem Neubau der Sparkasse. Rechts ist der alte Aufgang zur Kirche, flankiert durch die großen Bäume, zu sehen.

Ehemaliges Armen- und Gemeindehaus in Stettfeld

Fotos: Konrad Kröll (ca. 1950), Konrad Kröll (2021)

Das historische Foto aus den 1950er Jahren zeigt den Standort des ehemaligen Gemeinde- oder Armenhauses am Marcellusplatz rechts neben der alten Schule/Rathaus. Das Gebäude, vermutlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, bot für mittellose und schwer vom Schicksal getroffene Menschen Heimat und Unterkunft. Im Zuge der Gemeindeneugestaltung wurde es Anfang der 1970er Jahre abgerissen. Armenhäuser gehörten früher zum üblichen Dorfbild und nahmen verarmte Bewohner aus dem eigenen Ort auf. Finanziert wurden Armenhäuser in der Regel durch Zuwendungen wohlhabender Bürger sowie durch Zuschüsse von Stadt und Kirche. Auf dem Land wurde die Armenversorgung teilweise auch aus dem gemeinschaftlichen Gut (Allmende) beglichen.

Marcellusplatz in Stettfeld

Fotos: Konrad Kröll (ca. 1940), Konrad Kröll (2021)

In unserem wunderschönen Römerdorf Stettfeld scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, zumindest in diesem charmanten Winkel beim Stettfelder Marcellusplatz. Zwischen der Entstehung der beiden Fotos liegen rund 80 Jahre, eine behutsame Instandhaltung und die Erfindung der Farbfotografie. Die St. Marcelluskirche, 1356 erstmals urkundlich erwähnt und im gotischen Stil mit Ausrichtung von West nach Ost erbaut, ist das älteste Gebäude Stettfelds. Heute noch aus der Vorgängerkirche erhalten sind der Turm sowie der alte Chor. 1890 bis 1893 erfolgte die Erweiterung durch ein eingefügtes Langhaus mit Ausrichtung von Süd nach Nord zwischen Turm und altem Chor.

Ecke Hauptstraße/Kastanienweg in Weiher

Fotos: Karl Simon (ca. 1940), HV (2021)

Das Anwesen im Unterdorf an der Weiherer Hauptstraße, Ecke Kastanienweg wurde im Jahre 1864 von Sebastian Bellm als landwirtschaftliches Wohnhaus im Stil der damaligen Zeit gebaut und genutzt. Heute wird es von der 4. Generation der Familie bewohnt. Jede Generation hat das Haus entsprechend ihren Bedürfnissen durch Um- Aus- oder Erweiterungsbauten angepasst. So ist es heute, obwohl die Ansicht von der Ortsmitte her kommend, aus dem gleichen Blickwinkel fotografiert ist, kaum wieder zu erkennen. Das Kreuz wurde im Zuge des Ausbaus des Kastanienwegs an die Ostseite des Fußgängerüberwegs an der Hauptstraße versetzt. Auch der Lautsprecher der Ortssprechanlage an der rechten Ecke wurde wie alle anderen Lautsprecher im Ortsteil Weiher Ende der 60er Jahren entfernt. Das Anwesen ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Haus den Ansprüche der Familie, der Zeit und den Umständen anpasst.

Ecke Kapellenstraße/Oberdorfstraße in Zeutern

Fotos: Generallandesarchiv (ca. 1900), HV (2021)

Auf unserem schönen Foto aus dem Jahr 1900 sehen wir an der Ecke Oberdorfstraße/Kapellenstraße den schmucken „Engel“, erbaut 1785 im Stil Louis XVI mit schön gearbeitetem Wirtshausschild. Daneben, in der Oberdorfstraße 1 steht ein zweigeschossiges massives Barockhaus mit durchlaufenden Eckpilastern und Walmdach aus dem Jahre 1750. In der Rundnische zwischen den Fenstern des Obergeschosses steht eine barocke Madonna mit Kind, im Schlussstein darüber das Kreuz des Speyerer Bistums. Hier war das Rentamt des Hochstifts Speyer wo der Zehnte eingezogen, Gülten und Steuern verwaltet wurde. Aus verkehrstechnischen Gründen wurde das Kreuz 1970 nach hinten in die Oberdorfstraße hineinversetzt.

Bruchsaler Straße in Ubstadt mit Salzbad

Fotos: Karl Serden (ca. 1935), HV (2021)

Das historische Foto aus den 1935er Jahren ist aus Ubstadt und zeigt die am südlichen Ortsausgang gelegene Bruchsaler Straße. Auf der linken Seite erkennt man gut das Salzbad, noch mit dem ursprünglichen Gebäude. Im Anbau ganz links befanden sich damals die Badekabinen. Im Vordergrund der Schienenstrang der Nebenbahn (Richtung Menzingen).

Nach frühesten Berichten wurde 1871 nahe der Salzquelle das Kurbad mit angeschlossener Gaststätte nebst Fremdenzimmern errichtet, vielen dürfte das erst vor wenigen Jahren abgerissene alte Salzbad noch ein Begriff sein. Noch bis 2003 nutzten die beiden Inhaberinnen Luise und Irma Zimmerer das Wasser der Quelle für die Anwendungen in ihrem alten Bad.

Im aktuellen Foto ist das neue Wohngebiet „An der Salzquelle“ zu sehen.

Hahnenstraße in Weiher, Hausnummern 6 und 8

Fotos: HV 1925, HV 2020

Genau 95 Jahre trennen diese beiden obigen Fotos voneinander. Die Hahnenstraße, auch eine der älteren Straßen in Weiher und auf einem historischen Ortsplan von 1878 bereits mit zwei Gebäuden eingezeichnet, erhielt ihren Namen vermutlich von dem alten Gewannnamen „Hahnenäcker“. Dieser Flurname tauchte erstmalig im Schatzungsbuch (Grundlage für die Besteuerung oder Abgabe) von 1754 auf.

 

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