Die Ubstadter St. Andreas-Kirche

Von Michael Staudte

Die St. Andreas-Kirche wurde zwischen 1729 und 1733 gebaut. Sie hat einen dreifachen Chor, der im rechtsrheinischen Gebiet des Bistums Speyer einzigartig ist. Dieser kostbare Trikonchenchor war dem Patronatsstift St. German in Speyer zu teuer. Er weigerte sich, ihn zu bezahlen. Daraufhin griff der Fürstbischof Kardinal Damian Hugo von Schönborn zu einem drastischen Mittel: Er behielt die jährlichen Zehntfrüchte, die dem Stift zukamen, ein und verkaufte sie, um den Kirchenbau zu finanzieren.

Ubstadter Sankt Andreas-KircheJohann Georg Stahl, der Baumeister der Ubstadter Kirche, zog für den Aufbau der Kirche viele Meister aus Ubstadt und Umgebung heran. Er wollte den Chorturm der ehemaligen Kirche stehen lassen. Schließlich baute er auf dem Fundament des alten Chorturms den neuen barocken Kirchturm. Außerdem wollte er noch einen zweiten Kirchturm bauen, was aber zu teuer wurde. Daher gibt es nicht, wie bei den meisten Barockkirchen, zwei Türme.

Der Streit um die Baukosten wurde 1741 friedlich beigelegt. 1803 wurden die Diskrepanzen um die Baukosten uninteressant, da durch Beschluss des Reichsdeputationshauptausschusses der rechtsrheinische Teil des Bistums Speyer an den neu gebildeten Staat Baden fiel.

Das Kirchenschiff wurde 1879 von 20,23 m auf 27,85 m erweitert. In der Breite hat es ein lichtes Maß von 10,45 m.

1880 wurde, nach der Kirchenerweiterung, der hl. Andreas an der Westfassade im Kirchengiebel, aufgestellt. Er ist ein Werk des Karlsruher Bildhauers Friedrich Wilhelm Volke.

Die Gedenktafel an der Nordseite der Kirche soll an das Gefecht während der badischen Revolution am 23. Juni 1849 erinnern.

Zur Innenausstattung.

Der Hochaltar, wurde bei dem pfälzischen Schreinermeister Wilhelm Martin in Maikammer/Pfalz bestellt. Er wurde nach Fertigstellung mit Gespannen von 25 Pferden abgeholt. Das Altarbild mit den Qualen des Andreas wurde vom Bruchsaler Hofmaler Lothar Ignaz Schweickart gemalt, ging jedoch verloren und wurde 1854, durch ein thematisch gleich gestaltetes, von dem badischen Hofmaler Wilhelm Dürr, ersetzt. Die lateinische Inschrift über dem Altarbild lautet: „S. Andrea apostol et martyr sustine hic vita coronabit te.“ Die Übersetzung dazu ist folgende: „Heiliger Andreas, Apostel und Märtyrer, harre hier aus und du wirst die Krone des Lebens empfangen.“

Der Tabernakel, die Altarleuchter und der Hochaltar wurden von den beiden Hofmalern Bartholomäus und Franz Ulrich Brandtmeyer vergoldet.

Der Bildhauer Franz Xaver Götz schnitzte die Hl. Agatha, Patronin gegen Feuersbrünste, sowie den hl. Andreas. 1766/67 errichtete er auch die Nebenaltäre. Er ist der Sohn des Bruchsaler Hofbildhauers Valentin Götz, der das Ubstadter Tabernakelkreuz schnitzte. Aus dieser Werkstatt stammt auch die „Maria vom Siege“ an der Westwand des Chores.

Die Kanzel, eines der letzten Ausstattungsstücke der Kirche, für die der bischöfliche Hofschreiner Johann Wilhelm Weinspach den Auftrag erhielt, wurde 1776 gebaut.

Der Taufstein hat einen aufziehbaren Deckel. Dies ist eine barocke Spielerei, bei der sich beim Anheben des Deckels die Heiliggeisttaube herabsenkt und so über dem Taufbecken schwebt.

Die Kreuzwegstationen wurden von Josef Eberle aus Überlingen 1896 – 1900 geschnitzt.

Das Missionskreuz wurde 1887 erworben.

Noch ein kurzer Rückblick auf das, was vorher hier stand.

Zuerst war es eine Burg, ungefähr 800 bis 1200. Sie war nahezu quadratisch. Die nördliche Außenmauer mit den zwei Türmen von je 3,50 m Durchmesser verlief am südlichen Gehwegrand der heutigen B3. Sie hatte vom östlichen bis zum westlichen Turm die Ausmaße von 17 m.

Zwischen den beiden Konchen stand der größte Turm.

An Stelle des Pfarrgartens war der Burggarten.

Als nächstes stand dort eine Chorturmkirche. Sie wird 1252 erstmals als ecclesia erwähnt. Die Abmessungen erfahren wir erst von Johann Georg Stahl. Das Langhaus war etwa 10m lang und 6m breit. Den Turm kann man sich wie den unteren Teil der alten Zeuterner St. Martinskirche vorstellen. Dieser Turm, sowie der heutige, steht auf der östlichen Burgmauer. Die alte Kirche wurde 1729 abgerissen.