Anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des Schuhhauses Holzer in Weiher im Jahr 2019 stellen wir ein weiteres Geschäft vor, das bereits in der vierten Generation besteht. Wir danken unserem Mitglied Theo Holzer für diesen Bericht, der uns einen Einblick in die Entwicklung des Schuhhandwerks zeigt.

Schuhgeschäft Holzer in der vierten Generation!

Holzer Hauptstraße 142
Erstes Geschäft Hauptstr. 142

Eine lange Familientradition hat das Weiherer Schuhhaus Holzer. Gegründet wurde das Geschäft 1929 durch Karl Friedrich Holzer (geb. 1890) mit der Einrichtung einer Werkstatt samt einem kleinen Lädchen in Weiher in der Hauptstraße 142 (s. Foto). Es wurden Schuhe nach Auftrag angefertigt und natürlich auch repariert. Man nahm Maß, auch auf modische Wünsche wurde eingegangen. Noch heute kann man die Leisten im Schuhhaus Holzer bestaunen. Die Materialien wurden ausgesucht, Oberleder, Futter, Sohle und Absatz, dann wurde ausgeschnitten, zusammen genäht, geklebt, genagelt, ausgeschliffen und poliert. Von der Auftragsannahme bis zum Abholen war dies eine ganze Woche Arbeit. Angefertigt wurden rahmengenähte Schuhe, holzgenagelte, durchgenähte und Holztoffel.

Holzer 1934/35
Familie Holzer 1934/35

In den schwierigen Anfangsjahren hat man neben der Schuhmacherei auch noch Landwirtschaft und Lohnarbeit betrieben. Die vier Kinder von Karl Friedrich und Maria Antonia Holzer geb. Wiesenmeier (geb. 1894), s. Foto, halfen sowohl in der Werkstatt als auch in der Landwirtschaft mit. Die Töchter Maria und Magda nähten die Schäfte, Sohn Martin, der auch das Schuhmacherhandwerk erlernte, ist leider im 2. Weltkrieg in Russland gefallen. In den Kriegsjahren, war die Familie nicht immer ausgelastet, daher schaffte Karl Friedrich Holzer eine motorgetriebene Mähmaschine, gezogen von Kühen, an. So konnte er Lohnarbeiten, das Mähen von Wiesen und Feldern mit seinem Sohn Alfons übernehmen. Die Landwirtschaft wurde noch bis in die 70er Jahre betrieben.

Mit Kriegsende kam die amerikanische Besatzungsmacht. Die erste D-Mark hatte sich der 15-jährige Sohn Alfons mit dem Einfärben und Polieren der Stiefeln der amerikanischen Besatzungssoldaten verdient. Auch er erlernte das Schuhmacherhandwerk bei seinem Vater. Sein Gesellenstück war ein feiner geschnürter Damenschuh mit kleinem Absatz, angewalkten Ledersohlen in rahmengenähter Ausführung, das heute noch im Schuhhaus Holzer zu sehen ist.

1948 erhielt Sohn Alfons Holzer (geb. 1930), der mittlerweile das Geschäft übernommen hatte, die Konzession der amerikanischen Besatzungsmacht für den Handel, die Anfertigung und die Reparatur von Schuhen. Mit Fahrrad und Rucksack radelte er zur Schuhfabrik Hemberger in Malsch und brachte festes Schuhwerk mit, in Ziegelhausen bei Firma Ziliox kaufte er feinere Schuhe, elegante Damenschuhe erwarb er bei Firma Greiling in Mannheim. Keines dieser Unternehmen gibt es heute noch, alle mussten der Konkurrenz aus Asien weichen. Nun übernahm Alfons Holzer auch das Geschäft von seinem Vater.

Alfons Holzers erstes Auto
Holzers erstes Auto

1954 erfolgte nach der Hochzeit mit seiner Frau Barbara geb. Holzer (geb. 1930) der Umzug in das neu erbaute Wohn- und Geschäftshaus in die Hauptstraße 101. Im Wandel der Zeit ging es in rasantem Tempo weiter. 1956 kaufte Alfons Holzer sein erstes Auto (s. Foto). Bevor er überhaupt den Führerschein hatte, besuchte er mit seinem Auto die Fahrschule in Bruchsal. Engagiert war er auch sehr bei der Feuerwehr, im selben Jahr wurde er zum Kommandanten gewählt und hatte dieses Amt 34 Jahre inne.

Der Verkaufsraum wurde bald zu eng, sodass im Jahre 1970 das Wohn – und Geschäftshaus angebaut wurde. Der Bedarf wandelte sich, weniger Schuhe wurden repariert, eine größere Auswahl an Verkaufsware wurde gewünscht. Die Räumlichkeiten stießen an ihre Grenzen, im Jahre 1985 wurde nochmals angebaut.

Aus der Ehe von Alfons und Barbara Holzer gingen drei Kinder hervor, der Sohn Theo Holzer, gelernter Einzelhandelskaufmann im Schuhfachhandel und seine Frau Maria, die bereits seit der Heirat 1979 mit im Geschäft tätig war, übernahm das Geschäft 1992 in der dritten Generation. Vater Alfons war weiterhin über Jahre hinweg für Reparaturen zuständig.

Die Auswahl wurde vielfältiger, gewünscht wurden nicht nur Schuhe für die Straße, Beruf oder Festlichkeiten, sondern auch Schuhe für den Sport wie z. B. Fußball, Tennis, Handball, Volleyball, Walking, Wandern. Dem trug man 2002 Rechnung, sodass das Geschäft generalsaniert und die Verkaufsfläche erweitert wurde.

Seit 2007 ist Tochter Judith, also bereits die vierte Generation, mit im Geschäft. Zuvor absolvierte sie ihre Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel im Sportgeschäft und sammelte danach Berufserfahrung in einem Schuhgeschäft, wo sie eine Fortbildung zum Handelsfachwirt machte.

Das Lifestyle und Sportschuh Sortiment wurde immer größer. Damit dies besser und schöner präsentiert werden konnte, wurde 2007 die Sportschuhabteilung erweitert. 2013 kam dann die neue Fläche in der Kinderabteilung dazu. Vergrößert und knallig bunt, macht auch den Kleinsten das Einkaufen Spaß. Die letzte Erweiterung war Anfang des Jahres 2018, durch einen Anbau wurde die Fläche für die Damenschuhe mehr als verdoppelt.

Theo und Maria Holzer mit Tochter Judith
Theo und Maria Holzer mit Tochter Judith

Familie Holzer (s. Foto) mit ihren mittlerweile vier Generationen ist eine feste Institution in unserer Gemeinde und zeigt, dass der familiäre Zusammenhalt und Einsatz maßgeblich zum Erfolg eines Betriebes beiträgt.

Der Heimatverein Ubstadt-Weiher würde sich freuen, wenn auch Sie uns Ihre Geschichte als ehemaliger Inhaber bzw. Inhaberin eines Geschäfts oder Handwerksbetriebes mitteilen würden. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an unser Vorstandsmitglied Beate Harder, Tel.Nr. 07251/61569. Sie können entweder Ihre Geschichte selbst aufschreiben oder sich von uns interviewen lassen. Bitte helfen Sie mit, dass das Wissen um die ehemalige Geschäfte in unserer Gemeinde nicht verloren geht.

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