Von Beate Harder | Dezember 2022 

Wie so häufig fanden auch der junge Schlosser Rolf Wieser aus Karlsruhe (1930 – 2010) und die Arbeiterin Katharina Dafferner aus Stettfeld (1934 – 2016) bei der Arbeit die Liebe fürs Leben. Den Bund der Ehe schlossen sie im Jahre 1963.

Klaus Wieser und Katharina Dafferner

Beide waren seit Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts bei der Firma Peters, die in Langenbrücken Schweißgeräte herstellte, beschäftigt.
Leider ging dieses Unternehmen 1963 in Konkurs und das junge Paar verlor seinen Broterwerb. Nun war guter Rat teuer. Nach einigem Hin und Her entstand der Plan, einen eigenen Betrieb zu eröffnen und die Produktion dort fortzusetzen, wo die Firma Peters aufgehört hatte.

Langenbrücken

Katharina und Rolf Wieser gründeten also im April 1964 das Einzelunternehmen „ROWI“ in Langenbrücken. ROWI steht dabei für die Anfangsbuchstaben von Rolf Wieser. Sie mieteten sich in Langenbrücken in der Vogtlandstraße 18 ein Gelände mit Werksräumen, besorgten sich ein Startkapital von DM 2.000,– und begannen, zusammen mit vier weiteren Mitarbeitern, in liebevoller Handarbeit Schweißgeräte bzw.
Schweißtransformatoren zu produzieren. Nun wurde Blech gebogen, gestanzt und lackiert, Kupferwicklungen wurden selbst hergestellt. In dieser Anfangszeit produzierte man genau so viel, wie in den kleinen firmeneigenen LKW passte. Wenn diese Geräte verkauft waren, wurde mit dem eingenommenen Geld wieder neues Material beschafft und weiterproduziert. So verließen in der Woche schon damals rund 50 bis 100 Geräte das Werksgelände. Aus diesen Anfangszeiten kommen heute noch Kunden zur Firma ROWI und bestellen Ersatzteile oder lassen die langlebigen robusten Geräte reparieren.

Werkstatt in Langenbrücken

Mit den Versandhäusern Quelle und Otto entstand zu dieser Zeit eine enge Partnerschaft und es wurden deren Eigenmarken, wie z. B. Hanseatic, entwickelt. Weitere Kunden waren in den boomenden 1970er Jahren der stationäre Fachhandel und die Eisenwarenfachhändler, wie die in der Region bekannten Firmen Stober in Karlsruhe-Neureut, Eisen-Bärle in Bruchsal oder die ALBW in Waghäusel. Rolf Wieser leitete damals die Entwicklung und den Vertrieb, dabei bereiste er nahezu das ganze Bundesgebiet. Er war ein begnadeter Kaufmann mit einem guten Gespür für das Geschäft. Seine Frau Katharina Wieser geb. Dafferner war für die Verwaltung und für die Produktion zuständig, einen Mitarbeiter stellte man nun auch für den Außendienst ein. Die Kinder des Ehepaares Wieser, Angelika Stockenberger geb. Wieser (1954), Peter Wieser (1963 – 1999) und Klaus Wieser (1969) wuchsen praktisch in den Werksgebäuden unter der Aufsicht ihrer berufstätigen Mutter auf.

Frau Wieser

1968/69 wurde in Stettfeld das erste eigene Firmengebäude erstellt und es erfolgte der Umzug von Langenbrücken in das neu errichtete Werksareal in der Augartenstraße 3. Neue Absatzmärkte werden erschlossen, die neu gegründeten Firmen BAUHAUS und OBI verändern das Kaufverhalten der deutschen Kunden. Baumärkte ersetzen den stationären Fachhandel und ROWI ist bereit, die Rolle als Großhändler von Heimwerkerprodukten für diese Unternehmen zu übernehmen.

Stettfeld

In den 1970er Jahren wurde die Produktion stetig erweitert und ausgebaut, zu der Fertigung von Schweißgeräten kam nun auch die Produktion von Batterieladegeräten für Kraftfahrzeuge. Dazu standen nun zehn Mitarbeiter an den Werkbänken, es wurde noch viel händisch produziert, ohne großen Einsatz von Maschinen. Als Sortimentsergänzung wurde nun auch das Schweißzubehör, vom Schweißhelm bis zu den Schweißhandschuhen und sonstigem Zubehör, zugekauft und angeboten. Der Grundstein des Großhandels mit Heimwerkerprodukten war gelegt.
Seit Oktober 1973 verstärkte nun auch Tochter Angelika als Betriebswirtin die Mutter im ROWI-Team.
Sohn Peter kommt 1982 als Auszubildender im Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmanns zum Unternehmen. Bis zu seinem leider frühen Tod im Jahr 1999 bestimmt er als Geschäftsführer die Geschicke des Familienunternehmens mit und leitet den Außendienst.

Die 1980er Jahre brachten eine große Wende für das Unternehmen: OBI, BAUHAUS und weitere Baumärkte wuchsen in dieser Zeit immer weiter und waren beste Kunden. Durch die Erweiterung des Produktsortiments wurde nun auch die Baumarktkette PRAKTIKER Kunde. Druckluftkompressoren wurden nun aus Italien, da dort günstiger produziert werden konnte, zugekauft und unter dem Namen ROWI vermarktet. In diese Zeit fallen auch die Überlegungen der Geschäftsleitung, ob es weiterhin rentabel sei, die Geräte selbst herzustellen, da sie für die Baumärkte eigentlich zu hochwertig und zu teuer waren. Der Fachhandel konnte noch weiterhin mit den hochwertigen deutschen Produkten versorgt werden, die Kunden der Baumärkte bevorzugten jedoch günstigere Artikel. Da es nicht möglich war, weiter zwei verschiedene Vertriebskanäle zu unterhalten, entschied man sich, die eigene Produktion komplett aufzugeben und das Geschäft mit den schnell wachsenden Baumarktketten weiter auszubauen. Weiterhin wurde das Knowhow in die Produktion gesteckt und die Fertigung in Italien unter der Marke ROWI vorangetrieben.

Der jüngste Sohn des Gründerehepaars, der bei PRAKTIKER ausgebildete Einzelhandelskaufmann und weitergebildete Handelsfachwirt Klaus Wieser, trat 1990 in das Unternehmen ein. Gleichzeitig wurde das Firmengelände um Lagerhallen und ein Bürogebäude erweitert. Da die Produktpalette ständig wuchs, wurde 1994 das erste Hochregallager gebaut.

Nach der Umwandlung in eine GmbH im Jahr 1995 und der Beteiligung der drei Kinder in der Geschäftsführung zogen sich Rolf und Katharina Wieser nach und nach aus dem Unternehmen zurück. Selbstverständlich unterstützten sie ihre Kinder nach wie vor mit Rat und Tat und waren weiterhin mit viel Herzblut im Betrieb, selbst als sie körperlich nicht mehr fit waren. Wie bei allen inhabergeführten Unternehmen war ein Zwölfstundentag die Normalität.

Dem Unternehmen war und ist es immer wichtig, hochwertige Produkte im Handel zu haben. Mit der Produktion in Italien hatte man sich einen vertrauenswürdigen Geschäftspartner gesucht. 1997 erschließt man sich den fernöstlichen Beschaffungsmarkt und weitet sein Partner-Netzwerk aus. Die Entwicklungsarbeit der Zulieferer wird durch die Etablierung eines Ingenieur-Teams in China unterstützt.
Besonderen Wert legt das Unternehmen auf die selbst erstellten und qualitativ äußerst hochwertigen Kataloge, Werbemittel, Typenschilder und Bedienungsanleitungen, bei denen auf Verständlichkeit und Lesbarkeit, speziell für Laien, viel Wert gelegt wird. Dazu gibt es ein eigenes Fotostudio, das Marketing wird alles selbst erarbeitet und umgesetzt.
Wichtig sind dem Unternehmen natürlich die Sicherung und der Erhalt des Qualitätsstandards. Schon immer trugen alle Geräte sowohl das TÜV- als auch das GS-Sicherheitssiegel. Außerdem unterhält man seit Beginn des Betriebes stets einen umfangreichen Reparaturservice für die hochwertigen Produkte.
Die Teilnahme an internationalen Messen haben die Firma ROWI zudem über die Grenzen des Bundesgebietes bekannt werden lassen. Die Konzentration auf die Heiztechnik mit jährlich 200.000 verkauften Elektroheizlüftern sowie 180.000 Gasheizgeräten verschafft dem Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal. Heute erfolgt die Produktion der Handelsware zu ca. 7 % in Deutschland, zu 65 % im weiteren europäischen Raum und zu 28 % in Asien.

Mit Marcel Wieser, einem Enkel der Firmengründer, steht die nächste Generation auch bereits im Unternehmen parat. Der ausgebildete Elektrotechniker agiert als technischer Serviceleiter und ist das Bindeglied zu den Produktionsstätten in Europa und Asien. Und auch der jüngste Enkel, Nico Wieser, unterstützt bereits das Marketingteam bei ROWI.

Die Firmenphilosophie besagt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne in den Betrieb kommen und Spaß bei der Arbeit haben sollen. Nur dann kann eine hochwertige Leistung von ihnen erwartet werden. Das beweist auch die niedrige Fluktuation im Unternehmen, es gab langjährige Mitarbeiter, die bereits seit 1964 in der Firma waren und bis zur Rente im Betrieb blieben. Heute beschäftigt ROWI 41 Mitarbeiter, vier im Service, zwei in der Qualitätssicherung, elf Logistikmitarbeiter und 24 Mitarbeiter in der Verwaltung und im Marketing.
Gesellschaftliches Engagement ist dem mittlerweile alleinigen Firmeninhaber Klaus Wieser sehr wichtig. Der Unterstützung von ehrenamtlicher Tätigkeit und dem Sponsoring der Jugendarbeit in der KSC-Akademie widmet er viel Zeit und Mühe. Dafür wurde das Unternehmen, weil Beschäftigte bei der Ausübung von Ehrenämtern sehr unterstützt werden, in den Jahren 2015 und 2020 unter anderem als „ehrenamtfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz“ vom Innenministerium Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Den Bericht erstellte unser Vorstandsmitglied Beate Harder aufgrund von Interviews und der Auswertung von Firmenunterlagen.

Fotos: Klaus Wieser

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