Beate Harder | Mai 2026

Seit genau 70 Jahren ist die Familie Schäfer in Weiher eine feste Größe, wenn es um die Verwirklichung von Träumen und Wünschen rund um die Raumausstattung geht. In den modernen Verkaufsräumen in der Hauptstraße 81 wird den Kundinnen und Kunden eine breite Palette an Serviceleistungen und Produkten für ein schönes Zuhause geboten.

Wohn- und Geschäftshaus Raumausstatter Toni Schäfer, Hauptstr. 81, Weiher (Bild: Heimatverein)

Doch zunächst ein Blick zurück zu den Anfängen: Otto Schäfer (1930–2019) absolvierte in den Jahren 1946 bis 1948 eine Ausbildung zum Polsterer und Dekorateur in Karlsruhe. Nach sieben Gesellenjahren im Ausbildungsbetrieb legte er 1956 erfolgreich seine Meisterprüfung ab.
 Sein Meisterstück, ein Polstersessel, stellte Otto Schäfer im Schaufenster des alten Milchhäusels in der Hauptstraße aus. Dieses sorgte für große Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und erwies sich als beste Werbung.

Otto Schäfer mit Meisterstück 1956 (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Anfang der 1950er Jahre lernte Otto Schäfer bei einer Tanzveranstaltung in Weiher seine spätere Ehefrau Maria, geb. Böser (1932–2025) aus Forst kennen und lieben. 1953 wurde geheiratet.

Hochzeitspaar Schäfer 1953 (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Das junge Paar wohnte zunächst im Obergeschoss des Friseurgeschäfts Eiser in der Weiherer Hauptstraße. Maria Schäfer war zu dieser Zeit bei einem Industriebetrieb in Bruchsal beschäftigt. 1956 kam das erste Kind, Tochter Rosi, zur Welt.

Noch im selben Jahr entschloss sich Otto Schäfer, sich in der Hauptstraße 130 mit einem eigenen Raumausstatterbetrieb selbstständig zu machen. Schon bald konnte er sich einen umfangreichen und zufriedenen Kundenstamm aufbauen.
Da die Räumlichkeiten jedoch schnell zu klein wurden, baute Otto Schäfer 1962 sein Elternhaus in der Hauptstraße 144 um.

Neubau Hauptstr. 144 1962 (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Es entstand ein großzügiges Ladengeschäft mit ansprechendem Schaufenster, in dem die Waren optimal präsentiert werden konnten. Zudem bot das Gebäude ausreichend Platz für eine große Werkstatt, in der sämtliche Näh- und Polsterarbeiten ausgeführt wurden.

Im Obergeschoss des Geschäftshauses bezog die junge Familie eine geräumige Wohnung. Der Weg ins Geschäft war kurz und Maria Schäfer arbeitete nun voll im Betrieb mit. Auch nach der Geburt des Sohnes Toni im Jahr 1962 kehrte sie rasch an den Arbeitsplatz zurück, beriet Kundinnen und Kunden, erledigte Büroarbeiten und nahm Bestellungen entgegen.

Hauptstr. 144 in den 1970er Jahren (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

In den Anfangsjahren war Polsterer Otto Schäfer vor allem mit der Aufarbeitung hochwertiger Kapokmatratzen beschäftigt. Gute Einnahmen erzielte der Betrieb zudem durch die Herstellung kompletter Polstermöbel wie Sessel, Sofas und insbesondere Chaiselongues. Die Gestelle wurden von spezialisierten Herstellern bezogen und mit geschnürten Federkernen ausgestattet. Darauf folgten Polsterungen aus Naturmaterialien wie Kokos- oder Rosshaar, abgedeckt mit weicher Watte und bezogen mit hochwertigen, dekorativen Stoffen.

Modell Aufbau Polsterung (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Das Leistungsspektrum des jungen Betriebs umfasste bald sämtliche Bereiche der Raum- und Innenausstattung. Tapezier- und Malerarbeiten wurden ebenso ausgeführt wie das Verlegen von PVC-Böden und Teppichböden nach Maß. Gardinen, Stores und Raumteiler fertigten Otto und Maria Schäfer in der eigenen Werkstatt nach Kundenwunsch an und montierten sie direkt vor Ort. Später wurde das Ehepaar von einer Angestellten unterstützt.

Der zunehmende Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre machte sich auch im Dorf Weiher bemerkbar. Die Nachfrage nach hochwertiger Wohnungsausstattung stieg deutlich. Kleine Fenster in Bauernhäusern wurden nach und nach durch größere ersetzt und anstelle einfacher gehäkelter Sichtschutzlösungen entstand Bedarf an dekorativen Gardinen. Hochwertige Materialien rückten zunehmend in den Fokus. Besonders Florentiner Gardinen entwickelten sich in den 1970er Jahren zu einem Verkaufsschlager.

Stoffe, Gardinen, Teppiche und Auslegware wurden überwiegend über den Großhandel bezogen. Das Ehepaar Schäfer besuchte regelmäßig Fachmessen wie die „Heimtex“, um sich über Neuheiten zu informieren. Vertreter der Herstellerfirmen kamen regelmäßig ins Geschäft und nahmen Bestellungen auf.

Ehepaar Otto und Maria Schäfer im Warenlager (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

In dieser Zeit verfügte das Fachgeschäft Schäfer über ein enormes Warenlager mit dutzenden Ballen Stoffen und Gardinen sowie einen sogenannten „Paternoster“ mit mehreren Teppichbodenrollen. Erst als Hersteller eine Lieferung der bestellten Waren innerhalb von 24 Stunden garantierten, konnte auf Musterbücher, Gardinenbügel und Kataloge umgestellt werden – eine enorme Erleichterung in Bezug auf Platzbedarf und Kapitalbindung.

Eine besondere Freude für das Ehepaar Schäfer war es, dass Sohn Toni in die Fußstapfen seines Vaters trat. Mitte der 1980er Jahre erlernte er das Raumausstatterhandwerk in Heidelberg und schloss seine Ausbildung als Kammersieger ab. Nach Berufserfahrung in verschiedenen Betrieben absolvierte er den Meisterkurs in Mannheim, den er 1988 ebenfalls als Kammersieger bestand.

Da der Standort in der Hauptstraße 144 zunehmend ungünstig wurde und eine Erweiterung des Betriebs anstand, entschloss sich die Familie Ende der 1980er Jahre, im Ortskern ein geeignetes Grundstück zu erwerben und ein modernes Wohn- und Geschäftshaus zu errichten.

Neubau Wohn- und Geschäftshaus Hauptstraße 81 (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Im Mai 1991 wurde das neue Gebäude in der Hauptstraße 81 feierlich eingeweiht. Gleichzeitig ging der Betrieb auf Toni Schäfer über.

7. Mai 1991: Einweihung Geschäft Hauptstraße 81 (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Seither werden Tapezier- und Streicharbeiten, sämtliche Bodenbelagsarbeiten, Sonnenschutzlösungen, alle Arten von Polsterarbeiten sowie Gardinen und Sonderanfertigungen aus der eigenen Näherei angeboten. Im rund 250 Quadratmeter großen Ausstellungsraum finden die Kundinnen und Kunden Muster, Zubehör, Ersatzteile sowie eine große Auswahl an Heimtextilien.

Maria und Otto Schäfer standen noch lange weiterhin täglich im Geschäft und unterstützten bis zum verdienten Ruhestand ihren Sohn. Auch dessen Ehefrau arbeitete im Betrieb mit und übernahm die Büroarbeiten. Zwei Näherinnen ergänzen seit mehreren Jahrzehnten das Team.

Seit 2016 ist der Enkel des Firmengründers Julian Schäfer (geb. 1994), also bereits die dritte Generation, mit im Geschäft. Er absolvierte – wie zuvor sein Vater – seine Ausbildung zum Raumausstatter am Theater in Heidelberg und schloss diese 2016 ebenfalls als Kammersieger ab.

Seit September 2016 leitet er eigenständig die Polsterei und unterstützt seinen Vater tatkräftig. Mit dem Bestehen seiner Meisterprüfung im Jahr 2021, erneut als Kammersieger und bester Raumausstatter seines Jahrgangs, legte er den Grundstein für die zukünftige Übernahme des Betriebs.

An Arbeit und Kundschaft mangelt es dem Unternehmen auch heute nicht. Der Bedarf an hochwertigen Einrichtungselementen ist ungebrochen. Die Kundinnen und Kunden kommen aus dem gesamten ehemaligen Landkreis Bruchsal und sind überwiegend Privathaushalte.


Die durch Julian wiederbelebte Sparte „Polsterung“ entwickelte sich zu einem wichtigen Standbein. Durch die Aufarbeitung hochwertiger Polstermöbel sparen Kunden Geld und erhalten Möbelstücke, die noch viele Jahre das heimische Wohnzimmer schmücken.

Meisterstück Julian Schäfer (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Seit Kurzem bildet der Betrieb zudem einen jungen Mann aus Weiher im Raumausstatter Handwerk aus. Für den Betrieb ist die Ausbildung vor allem eine wichtige wirtschaftliche Investition in die Zukunft und sichert somit den eigenen Fachkräftenachwuchs. Dass inzwischen bereits der neunte Auszubildende im Betrieb ausgebildet wird, zeigt, dass sich dieses Engagement bewährt hat.

Auch für gewerbliche Kunden ist das Unternehmen tätig. Aktuell werden beispielsweise die Polsterstühle und -bänke eines großen Restaurants komplett aufgearbeitet und mit ansprechendem Kunstleder neu bezogen.

Das prosperierende Geschäft überzeugt besonders durch Sonder- und Maßanfertigungen. Lösungen für Boden, Wand, Polster, Sonnenschutz und Fenster werden aus einer Hand angeboten. Waren Gardinen früher vor allem Sichtschutz, sind sie heute wichtige Dekorationselemente. Technische Anforderungen wie Schall-, Hitze- und Kälteschutz oder Verdunkelung eröffnen dabei immer neue Aufgabenfelder. Die Kundschaft schätzt das Fachwissen, die ehrliche Beratung und die persönliche Ansprache der Firma Raumausstattung Schäfer.

Toni und Julian Schäfer 2026 (Bild: Familie Schäfer, Weiher)

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch das ehrenamtliche Engagement der Familie Schäfer. Otto Schäfer war begeisterter Sänger und langjähriger zweiter Vorsitzender des MGV Weiher. Toni Schäfer war Gründungsmitglied des Handharmonikaclubs, der 1979 im Hasenheim reaktiviert wurde. Er war anschließend 33 Jahre dessen 1. Vorstand und spielt seit jeher aktiv im Orchester. Julian Schäfer ist Gründungsmitglied der „Weiherma Buwe“ und langjähriges Vorstandsmitglied der Hako-Freunde. Damit hat die Familie Schäfer über Generationen hinweg ein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement bewiesen.

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