Kochen und Backen wie früher: Gänsekeule

Gänsekeule angerichtet. Foto: HV
Gänsekeule angerichtet. Foto: HV

Der 11. November ist der Namenstag des heiligen St. Martins, des großen Volksheiligen und Kirchenpatrons von Zeutern. Über die Kirche in Zeutern haben wir sehr frühe Nachrichten, denn schon im Jahre 823 schenkte der Priester Palthard die Kirche dem Kloster Lorsch. Dieser Priester stammte vermutlich aus der Familie, die die Kirche erbaut hatte. In einer Urkunde aus dem Jahre 1213 erfahren wir, dass die Kirche in Zeutern dem hl. Martinus geweiht wurde. Martin und Michael waren in fränkischer Zeit (5. – 9. Jh.) als Schutzpatrone der Kirchen sehr beliebt.

Woher der Ausdruck „Martinsgans“ kommt, sind wir im Folgenden auf der Spur:
Um den hl. Martin haben sich zahlreiche Legenden gebildet. Sie alle betonen seine Bescheidenheit. Als Martin Bischof werden sollte, wollte er sich dieser Erhebung entziehen und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänseherde aber verriet ihn durch ihr Geschnatter. Zum Dank für Ihren „Verrat“ wird sie am Namenstag des Heiligen verspeist.

Früher und auch heute noch ist der 11. November jener Termin, an dem die Bauern ihren Lehnherren (heute den Eigentümern) die fällige Pacht zahlen mussten und die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit begann. So kamen in vielen Familien die schlachtreifen Gänse auf den Tisch. Vielleicht war das auch in Zeutern schon vor vielen Generationen der Grund, sich an saftigen Gänsekeulen zu erfreuen.

 
Hier das Rezept für 6 Personen in Zeuterner Mundart:

Zudada:
6 Gensschlejl
2 Esslefl Ehl
Subbagmies
Sals, Pfäffa
an ¾ sa Lidda Ródwói
ónadhalwa gróßa Zwiwwl
30 g Budda
75 g Tomadamarig
Zugga, Hunnich, Beifuß

S Backeffele uf 160 Owa- un Unnahitz vóhaidza. D Gensschlejl abwäscha un druggad abdubfa. S Subbagmieß glóischneida un anna Gussbfónn midd Ehl, Sals un Pfäffa dó. Die Schlejl midd da Außaseid uffs Gmießbedd leja un midd Sals un Pfäffa gwädza. Óschließend midd Ródwói umgießa. Da Deggl feschd zumacha. Ans vóghaizd Backeffele schdella unn a Schdund brooda.

D Pfónn ausam Offa nemma, d Schlejl rumdräha un d Haud midd Bliedahunnich óibensla. Beifuß nói dó, nochamol a bissl salsa. Tembaradua uf 120 runnaschalda un nochamol a Schdund brooda.

Am End fun da Gahzaid d Tembaradua widda uff 160° nuffschalda, nochamol a bissl Hunnich un Beifuß uffd Schlejl macha un noch a halwe Schdund schee gnuschbarich brooda.

Ródwóisoß: Da Broodafont abschidda. Zwiwwl un a bissl Budda óschwidza, Tomadamarig nóidó, midd Ródwói abläscha unn middam Broodafont uffgießa, midd Sals un Pfäffa, Zugga, unn Ródwói abschmegga. Wóns nedich isch midd Grumbierameehl ódigga unn durch an Saia schdreicha.

An da Zwischazaid kómma sich midda Bailara abgäwwa. Dodazu schmeggd Ródgraud un sälwagmachda Grumbiaragnedl.

Näwabeigsagd: Da ledschd Genshädd vunn Zaidan had ma da Gensaichien gnennd. In Schdeffld was da Gensfridda.

 
Das Rezept wird mit einer Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitung und in Hochdeutsch in einer neuen Rubik auf unserer Webseite zu lesen sein, die wir anlässlich 50 Jahre Ubstadt-Weiher gegen Ende des Jahres veröffentlichen werden.

Wir hoffen, dass wir bis dahin eine schöne Sammlung Ubstadt-Weiherer Leibspeisen, die schon von unseren Vorfahren zubereitet wurden, präsentieren können, damit die Geburtstagstafel mit Gerichten aus allen Ortsteilen reichhaltig gedeckt ist.

Gerne nimmt die Koordinatorin der Reihe „Kochen und Backen wie früher – Leibspeisen aus Ubstadt-Weiher“, Beate Harder, Ihre Vorschläge unter Tel. 07251/61569 entgegen.

Fortsetzung der Reihe folgt.

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