Wer durch Stettfeld geht, kann sie kaum übersehen: die imposante katholische Pfarrkirche St. Marcellus. Mit ihren grob behauenen Sandsteinquadern, dem neugotischen Erscheinungsbild und dem markanten Turm prägt sie bis heute das Ortsbild und erzählt zugleich von einer Geschichte, die viele Jahrhunderte zurückreicht.
Die älteste urkundliche Erwähnung der Marcelluskirche stammt aus dem Jahr 1356. Teile der mittelalterlichen Vorgängerkirche haben die Jahrhunderte überdauert. Der Turmsockel und vermutlich auch der Chor stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Als die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts grundlegend erweitert und neu gestaltet wurde, blieben diese historischen Bauteile erhalten und wurden geschickt in den Neubau integriert.
Von 1891 bis 1893 entstand nach Plänen des Architekten Adolph Williard und unter Mitwirkung des Erzbischöflichen Bauamtes Karlsruhe die heutige fünfjochige Basilika. Pfarrer Beda Hafen begleitete das große Bauvorhaben. Der neugotische Neubau beeindruckt nicht nur durch seine äußere Gestaltung: Eine Querschnittfassade mit großer Rose, Figuren und Vorhalle sowie das aufwendig gestaltete Portal und die Fenster verleihen dem Gotteshaus seinen besonderen Charakter.
Auch im Inneren wurde großer Wert auf eine stilgerechte Gestaltung gelegt. Decken und Wände waren ursprünglich farbenprächtig ausgemalt. Diese Bemalung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg übertüncht, bei einer späteren Renovierung jedoch wieder rekonstruiert. So lässt sich heute vieles von der Atmosphäre wieder erahnen, die die Kirche bei ihrer Entstehung auszeichnete.
Zur denkmalgeschützten Anlage gehören außerdem die Kirchhofmauer und die 1901 errichtete Lourdes-Grotte.
Die St.-Marcellus-Kirche ist damit weit mehr als ein eindrucksvoller historistischer Sakralbau. Sie verbindet mittelalterliche Zeugnisse mit der Architektur des späten 19. Jahrhunderts und bewahrt damit verschiedene Kapitel der Stettfelder Geschichte unter einem Dach.

