Aus unserer Reihe Ubstadt-Weihers Kulturdenkmale entdecken – Heute das ehemalige Gasthaus „Zum Schwanen“ in Ubstadt.

Bereits im 17. Jahrhundert wird das Gasthaus „Zum Schwanen“ in Ubstadt erwähnt. 1669 erscheint erstmals ein „Schwanenwirt“ in den historischen Unterlagen. Über viele Jahrzehnte war das Gasthaus eng mit Ubstadter Familien verbunden, unter anderem mit der Familie Brackenheimer. Auch die Wirtsfamilie Hagenmeier führte den „Schwanen“ über mehrere Generationen.
Das Anwesen hatte dabei bereits eine bewegte Vergangenheit. In einer Grundbuchakte von 1627 wird der Platz als „verbrannter Platz“ bezeichnet – ein Hinweis auf die Zerstörungen, die Ubstadt in den damaligen Kriegszeiten erlebte.
Wie bedeutend der „Schwanen“ einst war, zeigt eine Beschreibung aus dem Jahr 1821. Zum Anwesen gehörten neben dem zweigeschossigen Wohnhaus unter anderem Scheunen, Ställe, Keller und ein großer Baumgarten mit 106 Obstbäumen.
1826 erwarb der aus Zeutern stammende Arzt Jakob Michenfelder das Anwesen. Das inzwischen baufällige Gebäude ließ er um 1830 durch den heute noch bestehenden Neubau ersetzen. Der stattliche zweigeschossige Massivbau mit seinem hohen Walmdach, den genuteten Eckbändern und den profilierten Fenstergewänden prägt bis heute das Ortsbild.
Bis 1895 blieb der „Schwanen“ eine Gastwirtschaft. Danach erwarb die Gemeinde Ubstadt das Anwesen. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand 1897/98 ein neues Schulhaus. Im ehemaligen Gasthaus wurden gleichzeitig Lehrerwohnungen eingerichtet. Damit endete die fast 250-jährige Geschichte des Gebäudes als Wirtshaus.
Mit dem Bau der neuen Schule im Gewann „Hofäcker“ im Jahr 1964 änderte sich die Nutzung erneut. Das ehemalige Schulhaus wurde zum Rathaus, während im früheren „Schwanen“ zunächst Familien untergebracht wurden. Seit 1974 dient das Gebäude als Verwaltungsgebäude. Bis vor kurzem bilden das ehemalige Gasthaus und die frühere Schule zusammen mit einem später errichteten Erweiterungsbau den Rathauskomplex.
Heute steht das traditionsreiche Gebäude vor einer neuen Herausforderung: Aufgrund baulicher Mängel kann es seit Kurzem nicht mehr für die Zwecke des Rathauses genutzt werden. Bleibt zu hoffen, dass sich für den geschichtsträchtigen „Schwanen“ eine gute Zukunft findet und dieses bedeutende Stück Ubstadter Geschichte erhalten bleibt.
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