Wer heute die alte St. Martinskirche in Zeutern betrachtet, ahnt kaum, welch lange Geschichte hinter ihren Mauern steckt. Bereits im Jahr 823 wird in einer Urkunde des Klosters Lorsch erstmals eine Kirche in Zeutern erwähnt. Damit reicht die Geschichte dieses Ortes des Glaubens mehr als 1.200 Jahre zurück.
Von diesem frühen Kirchenbau ist heute nichts mehr erhalten. Vermutlich handelte es sich zunächst um eine hölzerne Kirche. Im frühen 12. Jahrhundert wurde sie durch einen romanischen Steinbau ersetzt. Bei archäologischen Untersuchungen in den 1990er-Jahren konnten die Fundamente dieser Kirche nachgewiesen werden.
Im frühen 15. Jahrhundert entstand ein neuer, massiver gotischer Kirchenbau. Von ihm ist vor allem der Chorturm erhalten geblieben. Eine besondere Kostbarkeit befindet sich in dessen Erdgeschoss: Hier wurden 1911 mittelalterliche Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entdeckt. Die lange Zeit übertünchten Fresken zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und Mariens. Zu den Darstellungen gehört auch die Mantelteilung des heiligen Martin, des Patrons der Kirche.
Mehr als 350 Jahre nach dem gotischen Neubau erhielt die Kirche erneut ein völlig neues Erscheinungsbild. 1769/70 wurde das Langhaus nach Plänen von Johann Leonhard Stahl neu errichtet. Der mittelalterliche Chorturm blieb dabei erhalten und wurde in den spätbarocken Neubau einbezogen. Auch im Inneren sind Spuren dieser Zeit zu erkennen: Die Voutendecke, die gestalteten Fenstergewände mit Spiegeln und Kartuschen sowie Teile der historischen Ausstattung prägen bis heute den Kirchenraum.
Mit dem Bau der neuen St. Martinskirche im 20. Jahrhundert änderte sich die Funktion des alten Gotteshauses. In den 1970er-Jahren wurde das Langhaus um etwa ein Drittel gekürzt. Was zunächst wie ein Verlust erscheinen mag, hat zugleich dazu beigetragen, dass der historische Bau bis heute erhalten geblieben ist.
Heute ist die alte St. Martinskirche keine Pfarrkirche mehr. Sie dient besonderer Ort für Konzerte, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. So hat das historische Gebäude eine neue Aufgabe gefunden und bleibt weiterhin Teil des öffentlichen Lebens in Zeutern.

