Hochinteressantes bei der Veranstaltung Auf den Spuren der Fürstbischöfe

2. Vorsitzender, Christian Mannek, überreicht Präsent
Foto: Viktor Hohl

Über 80 Gäste, darunter Bürgermeister Tony Löffler und die Vorsitzende der Heimatforschung Neuthard e.V., Gabriele Gieser, konnte unsere Vorsitzende Ursula Hohl zum Vortrag „Auf den Spuren der Fürstbischöfe“ im schön geschmückten Römerkeller in Stettfeld begrüßen.

Der Vorstand des Heimatvereins Karlsdorf, Bertram Fuchs, zog mit seinen vielen Informationen und zum Teil seltenen Fotos über die in Vergessenheit geratenen fürstbischöflichen Schlösser Kislau und Altenbürg schnell in seinen Bann. Die Ursprünge des Schlosses Kislau, heute eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal, dürften bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, denn aus dieser Zeit (1083) stammen die ersten Nachrichten über die Herren von Kislau, zu deren Herrschaft auch die umliegenden Ortschaften Mingolsheim, Langenbrücken und Kronau gehörten. Das Schloss Kislau wurde 1721 von Damian Hugo von Schönborn, Fürstbischof von Speyer, als Jagdschloss im barocken Stil gestaltet. Die vorher existierende Burg, ein Wasserschloss, war 1675 von französischen Truppen bis auf den großen Bergfried schwer beschädigt worden. Der Bergfried, das mittelalterliche Hauptgebäude, blieb auch in der neuen Schlossanlage das Zentrum.

Das Schloss Altenbürg( heute Karlsdorf), im 12. Jhd. erstmals erwähnt, gilt seit 1399 als verfallen und wurde ab 1700 von Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn zunächst als Ökonomiehof errichtet, das die Verpflegung der Menschen beim zu bauenden Schloss in Bruchsal sichern sollte. Weiher und Zeutern mussten hierzu Frondienste leisten.

1812 fiel die noch im selben Jahr umgesetzte Entscheidung, das durch anhaltendes Rheinhochwasser notleidende Dorf Dettenheim nach Altenbürg zu verlegen und die Schloss- und Wirtschaftsgebäude, soweit nicht anderweitig verwendbar, abzureißen.

Unter anderem heute noch vorhanden ist das Torhaus, das zum Rathaus umgebaut wurde und heute dem Karlsdorfer Heimatmuseum als Domizil dient. Daneben gibt es vereinzelte Gebäude, die in umgestalteter Form vom Ökonomiehof übernommen wurden und heute noch bestehen.

Noch in den 1930er Jahren war die Siedlungsfläche Karlsdorfs in großen Teilen identisch mit der Begrenzung des Areals von Schloss und Ökonomiehof.

Im Anschluss an die Ausführungen von Bertram Fuchs, führte uns unser Vorstandsmitglied Beate Harder zu den Spuren der Fürstbischöfe in unserer Gemeinde. Das Hochstift Speyer mit seinen Fürstbischöfen übte auch auf unsere Gemeinde einen über 500 Jahre prägenden Einfluss aus. Jede erbaute Kirche aus dieser Zeit trägt die Handschrift und das Wappen des jeweiligen Fürstbischofs. Auch auf allen noch vorhandenen profanen Gebäuden wie Zehnthäuser, Keltern und Scheunen finden wir die Hinweise auf die ehemaligen Herren.

Beate Harder führte zunächst in unserem Ortsteil Ubstadt in das älteste Gebäude aus fürstbischöflicher Zeit, der Kelter, 1600 als Bannkelter unter Bischof Eberhard von Dienheim erbaut, dessen verwitterten Wappen links oberhalb des Eingangs zu sehen ist. Über die Salzquelle bis zur schönen Barockkirche ging es weiter nach Weiher, wo uns die Spuren im alten Chor der St. Nikolauskirche wieder begegneten. Auch das Weiherer Fürstbischöfliche Jagdhaus sowie das schöne Zehnthaus wurde vorgestellt. In Stettfeld findet man das älteste Gebäude aus fürstbischöflicher Zeit, die St. Marcelluskirche, 1356 erstmals urkundlich erwähnt und unter Bischof Gerhard von Ehrenberg erbaut, dessen Wappen wir auch in der Kirche finden. Bilder der unteren Mühle und des ehemaligen Zehnthofs in Stettfeld wurden ebenfalls gezeigt.

Auch in Zeutern ist die alte St. Martinskirche aus dem 15. Jhd. das älteste noch vorhandene Zeugnis der fürstbischöflichen Einflussnahme. Dort findet man einen schönen Wappenstein im Kreuzgewölbe des Chorturms, ebenfalls aus dem 15. Jhd. Weitere interessante Relikte aus der Fürstbischöflichen Zeit sind ein sehr schön restauriertes Fachwerkhaus in der Grabenstraße und das ehemalige Renthaus in der Oberdorfstraße.

Die schönen Anekdoten über die Utznamen der Gemeinden, in denen die Fürstbischöfe ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben, rundeten den interessanten Vortrag ab.

Unser 2. Vorsitzender, Christian Mannek, fasste die wesentlichen Punkte der Vorträge zusammen und danke den beiden Referenten mit einem Präsent (s. Foto). Er wies auf unsere nächste öffentliche Veranstaltung am Montag, den 17. Juni 2019, im Fachwerkhaus in Zeutern um 19.30 Uhr hin. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe altes Handwerk in Ubstadt-Weiher, wird dort das Küferhandwerk vorgestellt. Unter anderem ist dort der Aufbau eines Fasses durch Bruno Böser und Oskar Reiser zu sehen.

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