Kochen und Backen wie früher: Zwiebelkuchen und neuer Wein oder „Zwiwwlkuuche unn neier Wei aus Ubschdat“

Zwiebelkuchen und neuer Wein angerichtet. Foto: HV
Zwiebelkuchen und neuer Wein angerichtet. Foto: HV

G’herbscht isch! Das Ergebnis der Arbeit eines ganzen Jahres wurde in den drei Weinbauorten unserer Gemeinde in den letzten Wochen geerntet, gekeltert und in den Fässern eingelagert.

Auch der Ratsherrentropfen, der auf einem kleinen Weinberg oberhalb von Stettfeld mit wunderbarem Blick auf das benachbarte Zeutern wächst, konnte geerntet werden. Dieses Jahr coronabedingt leider nicht durch aktuelle und ehemalige Gemeinderäte, Seite an Seite mit Bürgermeister Tony Löffler, sondern mit dem Vollernter. Das Ergebnis kann sich auch dieses Jahr wieder sehen lassen, mit 1274 Kilo Beeren und 81 Grad Oechsle eine super Ernte.

Dass Weinreben schon sehr lange in unserer Gegend angebaut werden bezeugt unsere Winzergemeinde Ubstadt. Sie besitzt mit ihrem Kelterhaus eines der ältesten Gebäude der Gemeinde Ubstadt-Weiher. Es wurde um 1600 errichtet und diente als Bannkelter des Hochstifts Speyer. Das heißt, jeder Winzer war verpflichtet, seine zu kelternde Weinmaische auf dieser Kelter auszupressen. Für die Benutzung der Herrschaftskelter musste von jeder zehnten „Stütze“ (etwa 15 Liter) eine als Entlohnung abgegeben werden.

Das Gebäude gehörte dem Hochstift, der Weinzehnte dem Stift St. German zu Speyer als Inhaber des Patronatsrechts über die Ubstadter Kirche. Mit dem Ende der geistlichen Territorialherrschaften 1802/03 ging das Zehntrecht, bis zu seiner Ablösung durch die höhere Grundsteuer 1830, an den badischen Staat über.
Bis 1998 diente das Gebäude den Ubstadter Winzern als Kelter und wurde danach für Weinfeste genutzt. 2009/10 wurde es von der Gemeinde restauriert, umgebaut und wird heute als Veranstaltungsraum mit besonderem Flair genutzt.

Zum guten Ubstadter Wein, und vor allem zum neuen Wein, dem „Reiser“ isst man auch in Ubstadt gerne Zwiebelkuchen. Das beweist das folgende Rezept unseres langjährigen Mitglieds Hermine Dick aus Ubstadt.

 
Hier ihr Rezept im Ubstadter Dialekt:

Bodde:
1 Pfund Mehl
1 Ai
100 gr. Budda
1 Werfl Heef
1/4 Lidde Millich
1 TL Salz

Belag:
3 Pfund große Zwiwwel
200 gr. Schingewerfel
2 Eßleffl Schweinefett odder Budda
4 Aie
2 Beche Schmand
Salz, Pfeffe un Kimmel

For da Bodde s‘ Mehl mit dem Salz mische, d‘ Heef verbroggle unn in da lohwarme Millich uffleesa. Budda uns Ai dazugewwe un en scheene gladde Heefedaig mache un geh lasse. Òschließnd auswergle unn uff e eigfedds Backblech leje.

Die Zwiwwel scheele unn in Werfl schneide. S‘ Schweinefett in ara große Pfann erhitze unn die Zwiwwel bei mittlara Hitz glasig dinschde, dabei efda rummriere dass nix ohhengt. Zwiwwel aus da Pfann nemme unn jez die Schingawerfel drin ohbrode. Zwiwwelwerfel, Schmand (Sauerrohm) Aia un Kimmel unnernanner riera. Mit Salz un Pfeffe abschmägga.

Bei 160 Grad a dreiverdel Schdund backe.

Dodazu dringe ma unser gudda Ubschdadter Wei, lassts eich schmegge!

 
Das Rezept wird mit einer Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitung und in Hochdeutsch in einer neuen Rubik auf unserer Webseite zu lesen sein, die wir anlässlich 50 Jahre Ubstadt-Weiher gegen Ende des Jahres veröffentlichen werden.

Wir hoffen, dass wir bis dahin eine schöne Sammlung Ubstadt-Weiherer Leibspeisen, die schon von unseren Vorfahren zubereitet wurden, präsentieren können, damit die Geburtstagstafel mit Gerichten aus allen Ortsteilen reichhaltig gedeckt ist.

Gerne nimmt die Koordinatorin der Reihe „Kochen und Backen wie früher – Leibspeisen aus Ubstadt-Weiher“, Beate Harder, Ihre Vorschläge unter Tel. 07251/61569 entgegen.

Angefangen vom Sammeln der Rezepte, dem Nachkochen und Nachbacken, dem Fotografieren der einzelnen Arbeitsschritte und der Erarbeitung des heimatkundlichen Teils im Vorspann des Rezepts, liegt alles in der Hand der Koordinatorin unserer Reihe „Kochen und Backen wie früher“ Beate Harder. Dafür möchten wir ihr an dieser Stelle einfach mal ein großes „Dangschee“ sagen!

Fortsetzung der Reihe folgt.

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